Kunst in der Praxis

In unserer Praxis werden Kunstwerke von verschiedenen Künstlern der Region Bonn und Umgebung ausgestellt. Über einen Klick auf Kunst aktuell finden Sie eine Beschreibung der derzeitigen Ausstellung. Im Archiv finden Sie vergangene Ausstellungen.

Die aktuelle Ausstellung

Jolanda Coppola

Der kleine Krieg

Letztens

bekam ich

den Krieg zu Gesicht.

Er kam auf zwei Beinen

unschuldig

um die Ecke gerannt.

Und schaute mich an

aus samtbraunen Augen.

Ihm fehlte das linke Ohr

und die Finger der linken Hand.

Die Haare über dem

nicht vorhandenen Ohr

waren auch davongeflogen,

zusammen mit der Mine weit

in den hellblauen Himmel hinein.

Da stand er vor mir

der kleine Krieg,

gerade einmal vier Jahre alt

und lachte mich an.

Für Elisa aus Angola


 

Anlässlich einer Ausstellung zum Thema “Afrika“ an der ich dieses Jahr beteiligt war, hatte ich sofort ein Gesicht vor Augen; das der vierjährigen Elisa aus Angola. Elisa ist ein Kind, das ich während meiner Tätigkeit für „Friedensdorf International“ betreut habe.

Nicht nur ihr Schicksal, sondern auch ihr Umgang damit haben mich berührt und beeindruckt. So entstand damals zunächst das Gedicht.

Elisa steht stellvertretend für viel zu viele schwerverletzte Kinder, die mir dort begegnet sind.

Die Organisation hilft Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten. Sie arbeitet unentgeltlich und finanziert die oft aufwendigen Operationen rein durch Spenden und Ehrenamt.

Ich werde manchmal gefragt, wieso meine Bilder so „ästhetisch“ sind, selbst wenn die Inhalte so entsetzlich sind. Wie es sein kann, dass meine Seelenbilder allesamt „schön“ sind. „Aus den Angeln“ ist ein gutes Beispiel, um zu erklären, wie das zusammen passt.

Wenn man fast täglich ein Kind betreut, das von Narben schwer entstellt ist oder dem ganze Körperteile fehlen, verändert sich der eigene Blick unweigerlich. Er verlagert sich von dem Vordergründigen auf das Wesentliche. Man sieht nicht mehr das verzogene Lächeln – man sieht das Lächeln. Man sieht nicht mehr den Klumpen, der einmal ein Fuß war – man sieht ein zehnjähriges Mädchen aus Afghanistan, das eine Volksweise singt und dabei klatscht und den Oberkörper graziös im Rhythmus wiegt. Es ist der Blick der Liebe – der einzige, der wahrscheinlich wirklich zählt und nichts mit wegschauen oder verdrängen zu tun hat, ganz im Gegenteil.

Ich kann diesen Kindern leider nicht ihr Gesicht, ihre Hände, ihre Füße – ihre Unversehrtheit wiedergeben. Ich kann auch nicht ihre Schmerzen und ihr Leid ungeschehen machen. Ich kann ihnen aber ihre Würde belassen, indem ich sie als das sehe, was sie sind:

Wunderbare, kostbare Menschenkinder, die es Wert sind, das jeder von uns tagtäglich sein Bestmögliches tut, um diese Erde zu einem sicheren, friedlichen Ort zu machen. Vielleicht gelingt es uns eines Tages, die Welt wieder in die Angeln zu heben.

Das Bild ist 100 x 70 cm groß, es kann sowohl hochkantig, als auch querformatig aufgehängt werden und symbolisiert dadurch zusätzlich die „Unordnung“ durch alltäglich begangene Verbrechen. Der Kaufpreis des Bildes beträgt 3200 Euro und geht an das Friedensdorf. Eine Spendenquittung wird von der Organisation ausgestellt. Bei Interesse wenden Sie sich an mich oder Frau Dr. Tapken

Herzlichst, Jolanda Coppola